Orly war besser

Orly… Sonntag – so beginnt ein ikonischer Film der 60er Jahre „la Jetée“. Während das Timbre der Erzählerstimme tragische Ereignisse erahnen lässt, gestaltete sich mein Abflug von dort ganz ohne Drama. Geradezu spannend gestaltet es sich dagegen, Spuren der Orte zu entdecken an denen dieser alte Film gedreht wurde. Wer nicht weiß wovon ich rede, dem möchte ich ans Herz legen nach diesem Film zu suchen, der bestimmt in den einschlägigen Videoseiten bereits abgerufen werden kann. Die Qualität der Videos kann in den Schlüsselmomenten zwar überhaupt nicht überzeugen, aber es reicht um sich einen Eindruck zu verschaffen.

Orly ist für mich eine Ikone, die sich wie der Film über Jahre in meinem Gedächtnis eingebrannt hatte. Nun hatte ich also das Vergnügen einmal dort zu sein und ich kann es jeden Empfehlen. Denn wer wirkliches Drama erleben möchte, der muß sich nur einmal den größeren und weitaus bekannteren Flughafen in Paris ansehen: Charles de Gaulle. Endlose Gänge, Gerenne, Terminalwechsel die 45 Minuten Busfahrt erfordern, gereiztes Personal, schlechte Verpflegung, eine Bummelbahn die fast eine Stunde ins Stadtzentrum benötigt und die ich ungelogen mit dem Rennrad überholen könnte. Hier kommt man mit drei Stunden Zeitreserve an und dieser Flughafen schafft es trotzdem, daß man am Ende völlig abgehetzt und gerade noch rechtzeitig vor Abflug am Gate ankommen darf. Bei Umsteigern ist dieses kafkaeske Monstrum zurecht gleichermaßen gefürchtet und gehasst.

Da lobe ich mir Orly dagegen. Kurze Wege, weniger Andrang, fröhliche Menschen und es ist keineswegs nur ein Regionalflughafen, wie ich bisher dachte. Verdächtig viele Transatlantikflüge starten ebenfalls von hier. Es ist eine ganze Spur bescheidener, aber Orly ist Stil und Filmgeschichte.

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