Beste Gründe Debian als Serverbetriebssystem einzusetzen

Wer einen Server einrichtet und nach der richtigen Linux-Distribution sucht, der steht zunächst vor einer großen Auswahl. Wie die Richtige finden? Wer die Maschinen in einem hochproduktiven Umfeld einsetzen möchte, der ist möglicherweise auf professionellen Support angewiesen, was die Wahl schon wesentlich einschränkt, wenn eine hilfreiche Community alleine nicht ausreicht. Die bekanntesten Distributionen mit einem Hintergrund an zuverlässigen Supportdienstleistungen sind unzweifelhaft Red Hat Linux und Ubuntu Server, außerdem Suse Linux.
Dieser Artikel geht im Weiteren von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen aus mit Bedarf an Web- und Datenbankservern, die mit Hilfe des Community-Supports gut handhabbar sind.

Welche Linux-Distributionen sind am Servermarkt besonders verbreitet?

Um eine erste Übersicht zu bekommen lohnt es sich bei den Anbietern nachzusehen, welche Distributionen als vorinstallierte Images angeboten werden. Solche Images lassen sich bei der Inbetriebnahme des Servers automatisch installieren und binnen weniger Minuten in Betrieb nehmen. Folgende Images werden von einigen namhaften Dienstleistern angeboten:

  • Domainfactory: CentOS, Debian, Fedora, OpenSuse, Ubuntu
  • Server4You: CentOS, Debian, Ubuntu
  • GoDaddy: CentOS, Debian, Fedora, Windows
  • Edis: CentOS, Debian, Fedora, Ubuntu

Bei dieser kurzen Anbieterübersicht kristallieren sich bereits schnell drei Platzhirsche heraus, die nahezu überall angeboten werden und als bewährte Serverdistributionen angenommen werden dürfen: CentOS, Debian, Ubuntu.

Was wird von einem Serverbetriebssystem überhaupt erwartet?

Klar, er soll vor allen Dingen sehr stabil laufen. Sicherheitsupdates müssen darauf eingespielt werden ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen. Nach einem Update muß die Maschine, nach Möglichkeit ohne weitere menschliche Interaktion, wieder laufen. Das Betriebssystem soll mit sowenig Neustarts wie irgendmöglich auskommen. Ein Server benötigt nicht die neueste verfügbare Software, sondern solche die bewährt und vielfach getestet wurde. Aktualität ist eine Anforderung für Desktopsysteme, weniger für produktive Server.

Wieso gerade Debian?

Debian trifft all die erforderlichen Merkmale in besonderem Maße. Die da wären:

1. Ausbaufähigkeit (Upgradability)

Im Gegensatz zu Ubuntu handelt es sich bei Debian nicht um ein „rollendes“ Release. Programmversionen werden zu einem Major-Release „eingefroren“. Danach gibt es bis zum nächsten Major-Release nur noch Sicherheitsupdates. Programmversionen die in einen Major-Release einfließen, haben sehr viele Testläufe überstanden. In rollende Releases fließen dagegen aktuellere Programmversionen ein, die allerdings nur wenige Tests durchlaufen haben. Für ein Desktopsystem mag dies sogar wünschenswert sein, da man immer aktuelle Software zu sehen bekommt. Der Stabilität ist dies aber nicht zuträglich.

Der Wechsel auf ein aktuelleres Major-Release ist immer ein gewisses Wagnis. Besonders wenn man auf dem Server eine sehr unkonventionelle Konfiguration benutzt, viele Anpassungen und eigene Skripts geschrieben hat, ist die Gefahr von Umstellungsverlusten groß. Bei Debian sind Distributions-Upgrades gut dokumentierte Vorgänge die in der Regel unproblematisch ablaufen. Oft ist selbst dabei nicht einmal ein Neustart des Servers nötig.

2. Sicherheit

Zuverlässigkeit und Sicherheit genießen einen hohen Stellenwert im Debian-Projekt. Jedes Paket in einem Release wurde gründlich getestet, weshalb diese auch nicht in der aktuellsten Version vorliegen. Zwischen großen Releases liegen in der Regel etwa drei Jahre. LTS Releases (Long term support) erhalten sogar noch für fünf Jahre Updates. Sicherheitslücken und Bugs werden in der Regel sehr schnell, oft am selben Tag des Bekanntwerdens, geschlossen.

3. Stabilität

Debian gehört gemeinsam mit Slackware zu den ältesten Linuxdistributionen überhaupt, was schon für eine gewährleistete Kontinuität des Projekts spricht. Es gibt immer mindestens drei Releases die aktiv unterstützt werden: stable, testing und unstable. Es erklärt sich von selbst, daß auf einem Server nur „stable“ zum Einsatz kommen sollte.

4. Vorkonfiguration

Debian verfügt wahrscheinlich über eine der größten Applikationsdatenbanken überhaupt. Trotz allem sind viele Applikationen so vorkonfiguriert, daß diese bereits mit Abschluß der Paketinstallation ohne manuellen Eingriff lauffähig sind und mit wenigen Handgriffen gehärtet oder den eigenen Ansprüchen angepasst werden können. So ist beispielsweise ein LAMP-Server als Grundlage für alle Webapplikationen ohne weitere Benutzerinteraktion installierbar.
Auch bei Updates wird darauf geachtet stets die vorhandene Konfiguration beizubehalten. Im Zweifelsfall wird der Benutzer darauf hingewiesen und auf die Unterschiede zwischen alter und neuer Konfiguration aufmerksam gemacht.

5. OpenSource und frei

Debian achtet sehr kompromißlos auf die Einhaltung von OpenSource Richtlinien und darauf, daß die enthaltene Software frei bleibt. Dies mutet bisweilen sehr konservativ an, bietet jedoch ebenfalls nur Vorteile im Sinne der Rechtstreue, da man stets sicher sein kann nicht versehentlich lizenzpflichtige Komponenten untergeschoben zu bekommen.

Was ist mit den anderen Serverdistributionen?

CentOS erfreut sich ebenfalls großer Beliebtheit, alleine wegen seiner Nähe und Ähnlichkeit zum kommerziell angebotenen Red Hat. Wer damit bereits geschäftlich zu tun hatte mag bereits eine Vorliebe dafür entwickelt haben, da sich Red Hat in einigen Punkten etwas von Debian unterscheidet. Nennenswert wäre noch der Unterschied, daß CentOS mit yum einen anderen Paketmanager als Debian nutzt, welcher in puncto Stabilität ein klein wenig hinter dem Paketmanager apt-get in Debian liegt.

Ubuntu ist oft die erste Distribution die neue Anwender auf dem Desktop je zu Gesicht bekommen, da es als besonders einsteigerfreundlich gilt. Ubuntu basiert zum allergrößten Teil auf Debian und bedient sich dessen Applikationsdatenbank. Manchmal werden auch etwas aktuellere Versionsstände in dessen Releases angeboten, die dann allerdings weniger gut getestet wurden und nicht mehr den Stabilitätskriterien von Debian entsprechen würden. Dazu können lizenzpflichtige Komponenten im System auftauchen.

Erwähnenswert wäre noch Gentoo als Alternative für Fortgeschrittene und sehr spezielle Anwendungsbereiche. Das System gilt als überaus performant, dafür sind Updates oft nicht ohne schwierige Eingriffe durchführbar. Für dessen Administration benötigt es schon sehr fortgeschrittener Kenntnisse.

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