AirBNB Wohnung nach versteckten Kameras durchsuchen

Urlaub – für die meisten die beste Zeit des Jahres und eine stetig wachsende Anzahl Reisender greift bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten anstelle von Hotels auf Vermittler privater Unterkünfte zurück. AirBNB steht als Platzhirsch dabei nur stellvertretend für eine ganze Reihe unterschiedlicher Anbieter in einem noch relativ wenig regulierten Markt.

Angekommen in einer gemieteten Unterkunft wächst leider seit einiger Zeit die Sorge vor Beobachtung durch versteckte Kameras, nicht völlig unbegründet wie Nachrichten wie diese bezeugen. Sicherlich ist das berechtigte Interesse der Vermieter nach Schutz ihres Eigentums eine Sache, eine unbemerkte Ausspähung von Gästen ist allerdings ein klarer und erheblicher Eingriff in deren Privatsphäre.

WLAN nach versteckten Geräten durchsuchen

Die meisten Unterkünfte bieten eine Möglichkeit ein WLAN zu nutzen. Meist wird dasselbe Netz verwendet um Kleingeräte zu verbinden, worunter auch versteckte Kameras zählen. Kameras können heute winzig kleine Ausmaße haben und sind mit bloßem Auge schwer auffindbar. Allerdings kann mittels zweier Linux Kommandozeilentools auch das Netzwerk nach verbundenen Geräten durchsucht werden. Es handelt sich dabei um gängige Werkzeuge für die Analyse von Netzwerken.

Wichtiger Hinweis: in einigen Ländern bewegt sich der Einsatz der verschiedenen Analysetools in einer rechtlichen Grauzone. Vor dem Einsatz sollte die Rechtslage des jeweiligen Landes abgewägt werden!

Nmap und Arp-Scan installieren

Zunächst verbinden wir uns also mit dem Netzwerk der Unterkunft, wie mit jedem WLAN. Falls noch nicht geschehen können wir die beiden Tools nmap und arp-scan installieren.

sudo apt-get update
sudo apt-get install nmap arp-scan

Geräte im Netzwerk anzeigen

Wir gehen im Folgenden davon aus, daß eine mögliche Kamera mit demselben Netzwerk verbunden wäre, mit dem wir uns als Gast verbinden. Im Sinne des sogenannten „Internet of things“ wären die meisten Geräten so auffindbar.
Als erstes prüfen wir die IP-Adresse unseres eigenen Geräts.

ifconfig -a

Eine Ausgabe könnte etwa so aussehen.

ifconfig
Ausgabe Kommandozeile ifconfig

Wir sehen uns den Eintrag unter der Gerätebezeichnung wlp2s0 näher an. WL steht als Abkürzung meist für wireless und zeigt uns die IP-Adresse unseres Geräts im verbundenen, lokalen Netzwerk an. In diesem Fall wäre dies 192.168.2.9. Weitere Geräte befinden sich sehr wahrscheinlich im gleichen Adressbereich, also 192.168.2.x. Wie wir wissen wird unser WLAN-Interfache als wlp2s0 bezeichnet (auf vielen Geräten auch schlicht wlan0). Dies geben wir in folgender Zeile als Interfaceparameter an.

sudo arp-scan --interface=wlp2s0 --localnet

Die Ausgabe könnte in einem Heimnetzwerk, mit wenigen verbundenen Geräten so aussehen.

Kamerasuche02
Ausgabe verbundene Geräte

Hiermit lässt sich bereits eine Übersicht verbundener Geräte im Netzwerk erheben, ohne deren genauen Details zu kennen. Nun müsste eine Kamera offene Ports aufweisen, damit ein Zugriff auf einen Videostream erfolgen kann. Dies können wir nun mit nmap prüfen indem wir entweder eine bestimmte IP-Adresse oder einen ganzen Bereich untersuchen.

nmap -T4 -A -v 192.168.2.0/24

Am Ende des Berichts werden eventuell geöffnete Ports aufgelistet.

Kamerasuche03
Portsuche in nmap

Daraus schließen wir folgendes:

  • 192.168.2.1 – Hierbei handelt es sich um den Router. Port 80 ist geöffnet. Darüber erfolgt der Zugriff auf das Internet.
  • 192.168.2.4 – alle Ports sind geschlossen. Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich nicht um eine Kamera.

Was wenn ein Gerät mit offenen Ports gefunden wird?

Hier wäre Vorsicht angebracht. Der nmap Befehl kann hier oft den Namen des Geräts ausgeben. Wenn es sich um eine Typenbezeichnung handelt kann eine einfache Internetsuche Aufschluß geben um was für eine Art Gerät es sich handeln könnte. Anstelle von Kameras kämen schließlich auch noch Geräte wie NAS, Internetradios oder Raspberry Pi in betracht. Beim Verdacht auf versteckte Kameras können auch Ratgeber im Internet dabei helfen diese auch physisch aufzufinden. Sollte man eine solche jedoch finden und man wurde im Voraus nicht darüber unterrichtet, so sollte man umgehend den Vermieter der Unterkunft kontaktieren.

Was sagt AirBNB zu versteckten Kameras?

Grundsätzlich wird das Recht auf Privatsphäre des Gastes in deren Regeln natürlich anerkannt.

[…]So fordern wir unsere Gastgeber dazu auf, ihre Gäste unbedingt über alle Überwachungsgeräte in ihren Unterkünften zu informieren. Außerdem sind Überwachungsgeräte, die sich in bestimmten privaten Bereichen (wie z.B. Schlaf- und Badezimmern) befinden oder diese Bereiche überwachen, nicht erlaubt, unabhängig davon, ob auf diese Geräte hingewiesen wurde oder nicht.

Daraus folgt, daß eine mögliche Überwachung bereits im Angebot angekündigt werden muß und danach kann man natürlich seine Planungen ausrichten. Im Falle von Zuwiderhandlungen wird dem Kunden ein sofortiges Recht auf Stornierung eingeräumt. Eine milde Maßnahme, wenn man bedenkt, daß hier elementare Grundrechte des Gastes verletzt werden.

 

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