Nun ist diese Gruppe mittlerweile kein Geheimtipp mehr, seit eine wahre Flut unterschiedlichster Kanäle auf Youtube über deren Musik berichtet und sogenannte Reaktionsvideos erstellt haben. Etwas hat diese Musik an sich, daß sie sich dermaßen gut in den aktuellen Zeitgeist der Informationsflut mit KI-erstellten Inhalten einreiht oder besser gesagt entgegenstellt.
Angine de Poitrine spielen multitonale Musik. Das bedeutet sie schöpfen ein weitaus größeres Spektrum der Tonalität aus. Genauer gesagt stimmen sie dabei Töne an, die zwischen den Tonabständen liegen, die wir gewohnt sind. Multitonalität ist bekannt in orientaler Musik, weswegen es sich für uns ungewohnt schräg klingen kann. Die Kunst dabei ist diese ungewöhnlichen Töne zu einem stimmungsvollen Klangteppich zusammenzuführen und dieses beherrschen Angine de Poitrine besser wie keine andere Gruppe, welche ich persönlich in den letzten Jahrzehnten erleben durfte.
Dazu gehören die zweifellos großartigen Fähigkeiten der beiden Musiker, einen Schlagzeuger und einen Gitarrist und Bassist in Personalunion und dem Einsatz sogenannter Looping-Devices. Der Schlagzeuger insbesondere sticht für mich hervor mit ausgezeichneter Treffsicherheit und einer Fülle gespielter „Ghost Notes“ wie ich es noch nie erlebt habe. Dazu gehören noch Einsätze außer Takt (offbeat) in Hülle und Fülle – kurzum für die Ohren gibt es einiges zu entdecken und Passagen, welche gewöhnliche Musik zu echten Knüllern werden lassen, davon gibt es einen wahren Reichtum in diesen Kompositionen.
Deswegen sagt man Ihnen nach ein Antipol zu KI-erstellten und digital optimierter Musik darzustellen. Jede KI würde kläglich daran scheitern etwas Vergleichbares zu erfinden.
Das Stück Fabienk würde ich als einen gelungenen Einstieg empfehlen. Es lohnt sich jedoch den gesamten Liveauftritt anzuhören, der das Internet gesprengt hat!