
* 23.02.1944, Lindau am Bodensee
+ 29.12.2001, München
Einem außergewöhnlichen Musiker und meinem persönlichen Lieblingskomponisten ist diese Seite gewidmet. Er drehte Kurzfilme, schrieb Musikkritiken für den Spiegel und die Neue Züricher Zeitung. Im Zuge der Krautrock-Bewegung der späten 60er und 70er Jahre gründete er die Gruppe Popol Vuh. Weder Kraut noch Rock kann jedoch den eigenen Stil Frickes beschreiben, noch kann er der damals aufkommenden Neuen Deutschen Welle untergeordnet werden, obwohl er damals als einer der ersten Künstler in Deutschland die Möglichkeiten eines Synthesizers (den berüchtigten Moog III) für seine Kompositionen nutzte und ein solches Gerät sein eigen nennen durfte. Wie kein Zweiter verstand er es atmosphärisch dichte Klangteppiche in Stücke von oft meditativer, gar spiritueller Konnotation oder großem Pathos, zu knüpfen. Es verwundert also nicht, daß seine Musik mehrmals zur Untermalung in Filmen durch Werner Herzog verwendet wurde. In der Tat ist die Zusammenarbeit dreier großer Ausnahmetalente (Kinksi, Herzog, Fricke) das Größte was der deutsche Film bis heute hervorgebracht hat und wird bis auf weitere Jahrzehnte unerreicht bleiben, was nicht zuletzt ein Verdienst dieses großartigen Künstlers ist.
Wenn ich einige persönliche Worte zu Florian Fricke verlieren darf:
seine Musik zählt sicherlich nicht zu jenen Stücken, die man sich so
eben zwischendurch mal "reinzieht". Im eigenen Bekanntenkreis und
Umfeld konnte ich bisher noch niemanden finden, der meine Begeisterung
für diese außergewöhnliche Musik teilen kann. Möglicherweise ist es
nicht leicht einen Zugang zu seiner Musik zu finden. Jedoch scheinen
deren Klänge etwas urmenschliches, tief verwurzelte Bedeutungsmuster
und Leidenschaften des Menschen, anzusprechen. Tief gefühlte
Leidenschaften die in jedem von uns innewohnen und gelegentlich an die
Oberfläche kommen wollen. Sofern man bereit ist sich innerlich auf ein
derartiges Erlebnis einzulassen, kann seine tiefgründige Musik derart
mitreißen und ergreifen, so aufwühlen, daß man dieses Ereignis
garantiert nicht mehr vergessen möchte.
Florian Fricke verstand es auf der Klaviatur dieser urmenschlichen
Semantik zu spielen wie auf den Tasten seines Klaviers und anderer
Instrumente die er beherrschte. Dies zeichnet ihn nicht nur als einen
meisterhaften Musiker und Komponisten, sondern vielmehr als einen der
ganz großen Menschen unserer Zeit aus.
"Große Musik kann Menschen erhellen", sagte einst sein Weggefährte Werner Herzog und es ist klar, daß dieser Ausspruch auf niemanden besser zutrifft als auf Florian Fricke.